Paartherapie – Felicitas Römer https://felicitas-roemer.de Psychotherapie, Paartherapie und Familienberatung Wed, 29 Jan 2025 14:30:54 +0000 de hourly 1 https://felicitas-roemer.de/wp-content/uploads/2024/10/cropped-Logo-Fee-2024-scaled-1-32x32.jpg Paartherapie – Felicitas Römer https://felicitas-roemer.de 32 32 Nebelkerzen und Nebenschauplätze https://felicitas-roemer.de/nebenschauplaetze-nebelkerzen-und-doppelbotschaften/ Thu, 27 Apr 2023 09:53:34 +0000 https://felicitas-roemer.de/?p=452 7 toxische Abwehrstrategien, die uns kirre machen

Wenn Paarkonflikte eskalieren, sind bei näherer Betrachtung destruktive Kommunikationsstrategien zu erkennen. Diese Muster dienen dazu, gefühlte oder tatsächliche verbale Angriffe zu verteidigen. Leider verhindern sie auch konstruktive Gespräche und gute Konfliktlösungen. Lesen Sie hier, welches die wichtigsten Abwehrmechanismen sind, wie Sie sie erkennen und wie sie wirken.

„Wir können überhaupt nicht gut miteinander streiten. Ich habe oft das Gefühl, dass meine Argumente überhaupt nicht gehört werden.“, erzählt Maya. Larissa berichtet, sie habe immer den Eindruck, ihre Gefühle seien irgendwie „falsch“ und „übertrieben“. Das behaupte zumindest ihr Ehemann. Und Peter hat Schiss, überhaupt irgendwas Kritisches zu seiner Freundin zu sagen, weil sie dann regelmäßig ausraste und ihm irgendwelche Gemeinheiten an den Kopf werfe.

All diese Paare können Konflikte nicht miteinander klären, weil einer von beiden das angesprochene Thema gleich im Vorfeld abblockt. Dabei wird selten klar gesagt: „Darüber möchte ich nicht sprechen.“ Vielmehr werden unbewusste Kommunikations-Taktiken angewendet, die beim Gegenüber zu Verwirrung und Verunsicherung führen. Derjenige, der ein Problem ansprechen möchte, wird auf diese Weise so geschwächt, dass er an sich und der Berechtigung seines Anliegens zu zweifeln beginnt. Das sind perfide, ja toxische Methoden, um sich mit den Bedürfnissen des Partners/der Partnerin nicht ernsthaft auseinandersetzen zu müssen. Sie kommen in unserem Alltag leider sehr häufig vor und werden viel zu selten identifiziert und bearbeitet.

Die 7 häufigsten Abwehrstrategien möchte ich hier kurz vorstellen und erläutern. Ich möchte jedoch ausdrücklich darauf hinweisen, dass diese „Taktiken“ meistens unbewusst eingesetzt werden. Fast immer werden bei Menschen, die emotionale Themen oder Probleme vehement abblocken, bestimmte Triggerpunkt berührt, die sie selbst emotional in Bedrängnis bringen. Auch wenn man das erstmal vielleicht gar nicht vermuten würde.

Toxische Abwehrstrategie Nr. 1: Nebelkerzen zünden, dramatisieren

Michael fühlt sich von Maria manchmal bedrängt. „Ich brauch halt manchmal meine Ruhe, vor allem wenn ich gerade von der Arbeit komme.“ Maria bricht in lautes Schluchzen aus, wirft ihm vor, er liebe sie gar nicht wirklich, obwohl sie alles für ihn tue, rennt aus dem Zimmer, knallt die Tür zu, kommt zwei Minuten später wieder herein und sagt unter Tränen, dann könne er ja gleich seine Sachen packen und sich eine Neue, Bessere suchen…

Michael nimmt sie in den Arm, beruhigt sie, nimmt alles zurück. Anschließen quält ihn ein schlechtes Gewissen. Ist es vielleicht wirklich nicht fair von ihm gewesen, seinen Wunsch nach Ruhe zu äußern? Er beginnt zu zweifeln – an sich, seinem Bedürfnis. Daran, ob er ein guter Partner ist, ob er Maria genug liebt…

Marias heftige Reaktion mag ihre Ursachen haben. Sie scheint leicht irritierbar zu sein, sich nicht sicher gebunden zu fühlen, sie missinterpretiert seinen Wunsch vielleicht als Ablehnung. Ihre Reaktion signalisiert Michael jedoch auch, wie vermeintlich unverschämt sein Anliegen sei, auch mal in Ruhe gelassen werden zu wollen. Wenn Michael einigermaßen sensibel ist, wird er sich das nächste Mal genau überlegen, ob er etwas Abstand für sich einfordern kann. Ein innerer Konflikt („Was darf ich hier sagen, ohne dass es ein Drama wird?“) ist programmiert, das Problem („einer von beiden braucht etwas mehr Abstand“) ist weder besprochen noch bearbeitet, sondern auf hochemotionale Weise abgewiegelt worden. Die Botschaft: „Dein Anliegen bereitet mir so große Not, dass du mich damit bitte in Ruhe lässt!“

Toxische Abwehrstrategie Nr. 2: Doppelbotschaften senden

„Aber natürlich ist es mir wichtig, wie es dir geht!“ kontert Andreas den Vorwurf seiner Freundin Lisa, er erkundige sich nie nach ihrer Befindlichkeit, was ja offensichtlich ein Zeichen von Desinteresse sei. „Das müsstest du doch eigentlich wissen!“ Lisa verstummt. Sie ist irritiert, denkt nach: ‚Stimmt das? Aber woran soll ich das denn erkennen, wenn er mich nie fragt? Bin ich zu pingelig? Erwarte ich zu viel? Nehme ich das alles nur falsch wahr?‘

→ Wenn das Verhalten eines Menschen immer wieder dem widerspricht, was er behauptet, kommt es bei seinem Gegenüber oft zu maximaler Verwirrung. Sollen wir unserer Wahrnehmung trauen oder dem, was unser Partner sagt? Wenn jemand dauerhaft so irritiert wird, kann daran regelrecht verrückt werden.

Toxische Abwehrstrategie Nr. 3: Leere Versprechungen machen

„Na gut, dann kümmere ich mich jetzt mehr um den Haushalt und die Kinder, versprochen!“ Das hat Thomas allerdings schon so oft gesagt und sich anschließend nicht daran gehalten, dass Martina das kaum noch glauben kann. Nach zwei Tagen hatte er seinen Vorsatz offenbar schon wieder vergessen. Soll sie es nun schon wieder ansprechen? Martina ist hin- und hergerissen, sie ist ja nicht seine „Mami“, die ihn an seine Verpflichtungen erinnern will. Daher erledigt sie lieber alles weiterhin allein. Doch dann kommt irgendwann wieder diese Wut hoch, dass wieder mal alles an ihr alleine hängen bleibt….

→ Auf die Dauer führen leere Versprechungen zum absoluten Vertrauensverlust. Martina könnte bei entsprechender Disposition auch irgendwann in Depressionen verfallen, weil sie mit ihrem Anliegen nach Entlastung immer wieder scheitert. Sie wird durch Thomas‘ Versprechungen zwar kurzzeitig vertröstet, aber in ihrem Wunsch nicht wirklich ernst genommen, geschweige denn entsprechend unterstützt. Daran kann man wirklich verzweifeln, und eine Partnerschaft wird vermutlich irgendwann daran scheitern.

Toxische Abwehrstrategie Nr. 4: Leugnen, die Gefühle und Eindrücke der anderen Person nicht ernst nehmen

Lena und Jenny waren zusammen auf einer Party. Auf dem Rückweg sagt Jenny: „Ich habe mich heute Abend von dir ignoriert gefühlt, du warst immer nur mit anderen beschäftigt!“ – Lena reagiert prompt und heftig: „Das ist doch Quatsch, das stimmt doch gar nicht.“ – „Doch, fand ich schon“, widerspricht Jenny etwas leiser. „Nee, also Jenny, da übertreibst du total. Sei doch nicht so empfindlich. Außerdem ist das nun mal eine Party, da sind eben noch andere Leute.“

Jenny bleibt mit ihrem Eindruck, „ignoriert“ worden zu sein, allein. Ihre Freundin spricht ihr nahezu die Berechtigung ab, sich so fühlen zu dürfen. Auch Jenny weiß nun nicht so genau, ob sie fühlen darf, was sie fühlt, oder ob sie einfach nur „übertreibt“. Sie beginnt, an sich zu zweifeln. Immerhin haben ja auch ihre Eltern schon immer gesagt, sie sei „zu empfindlich“.

→ Durch das Leugnen und Nichtwahrhabenwollen katapultiert Lena Jenny in eine absolut verwirrende und hilflose Position. Denn wenn jemandem die „Richtigkeit“ seiner Wahrnehmung abgesprochen wird – was bleibt ihm/ihr dann noch, worauf er/sie sich verlassen kann?

Toxische Abwehrstrategie Nr. 5: Den Vorwurf zurückgeben

„Früher hast du dir immer so schöne Überraschungen für mich ausgedacht. Das machst du leider gar nicht mehr, das finde ich echt schade!“ Christine ist enttäuscht und traurig. Doch Markus hat gleich einen Gegenangriff parat: „Ja, und was machst du? Du meckerst ja auch nur rum!“

→ Bähm, der klassische Gegenangriff. Klar, dass hier gleich die Fetzen fliegen. Natürlich sind Vorwürfe per se nicht besonders geeignet, um ein Gespräch über wesentliche Themen einzuleiten. Denn ein Vorwurf wird häufig als ein Angriff verstanden, gegen den man sich vehement wehren muss. Muss man aber gar nicht. Man könnte rein theoretisch auch mal gefasst und freundlich fragen: „Was genau wirfst du mir vor? Und was wünschst du dir von mir?“ Eine gewisse Reife muss dafür allerdings vorhanden sein.

Toxische Abwehrstrategie Nr. 6: Nebenschauplätze eröffnen, das Gespräch auf ein anderes Thema oder eine andere Ebene lenken

„Ich fand dich irgendwie nicht so freundlich zu meiner Mutter, das ist für mich schwer auszuhalten!“ Kim ist frustriert. Tom erwidert: „Ich finde eh, dass wir da nicht so oft hinfahren sollten.“ Kim ist verwundert: „Was hat das denn jetzt damit zu tun?“ – „Naja, ich mein ja nur. Ist ja auch ganz schön weit weg.“

Tom geht auf Kims Aussage nicht ein, sondern bringt ein ganz anderes Thema ins Spiel, ohne einen möglicherweise vorhandenen gedanklichen Zusammenhang zu erläutern. Damit wird Kim auf eine andere Gedankenspur gelockt, weg von ihrer Enttäuschung über sein Verhalten. Entweder Kim lässt sich auf das neue Thema ein, oder sie muss nun darum kämpfen, dass er auf ihre erste Aussage Bezug nimmt.

→ Ich erlebe es oft, dass Paare in Konfliktgesprächen wild zwischen Gefühls- und Sachebene hin- und herspringen und keinen Schritt weiterkommen. Hier könnte es helfen, eine Meta-Ebene einzuführen: „Stopp: Was machen wir hier eigentlich gerade?“ Das ist im Eifer des Gefechtes aber manchmal gar nicht so einfach.

Prinzipiell gilt: Wenn die hochgekochten Emotionen nicht „abgeholt“ und beruhigt werden, ist eine Lösung auf der Sachebene kaum möglich.

Toxische Abwehrstrategie Nr. 7: Aggressive Reaktion, (Nieder-)Brüllen

Last but not least: Wer es gar nicht aushält, mit bestimmten Themen oder Anliegen konfrontiert zu werden, sich massiv angegriffen fühlt, fängt oft an, laut zu schimpfen, herumzuwüten oder gar zu brüllen. Von körperlicher Gewalt mal ganz abgesehen…

→ Die Funktion dieses Verhaltens ist, den Anderen zum Schweigen oder sogar zum Einknicken zu bringen. Gleichermaßen entspringt diese Reaktion einer tiefen inneren Not und Hilflosigkeit. Diese hochaggressive Verzweiflungsverhalten ist extrem destruktiv – für beide Partner und für die Beziehung. Wenn in einer Partnerschaft oft gebrüllt oder sogar geschlagen wird, wäre eine Paartherapie auf jeden Fall dringend angeraten.

Wie Sie diese Konfliktmuster durchbrechen können

Haben Sie die eine oder andere Verhaltensweise schon einmal an sich selbst oder Ihrem Partner/Ihrer Partnerin entdeckt?
All diese hinderlichen oder sogar destruktiven Kommunikationsmuster kann man selbstverständlich bearbeiten und sukzessive auflösen. Allerdings müssten beide Partner bereit sein, sich mit den Hintergründen der eigenen Verhaltensweisen zu befassen. Denn nur wer eine Ahnung davon hat, warum er oder sie auf eine bestimmte Weise (re)agiert, wozu das einerseits gut sein soll und was es andererseits verhindert, kann daran nachhaltig etwas ändern. Eine Paartherapie kann dabei sehr hilfreich sein.

© Felicitas Römer 2023

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Brüderchen und Schwesterchen https://felicitas-roemer.de/bruederchen-und-schwesterchen/ Sat, 10 Apr 2021 15:18:47 +0000 https://felicitas-roemer.de/?p=648 Wie Geschwistererfahrungen unsere Partnerschaft beinflussen

Tiefere Paarkonflikte haben oft ihren Ursprung in den jeweiligen Biografien der Partner. Selten kommen wir auf die Idee, dass diese Probleme vielleicht etwas mit unseren Geschwistern zu tun haben könnten. Auch Paartherapeutinnen legen den therapeutischen Fokus meistens auf die kindlichen Erlebnisse mit den Eltern. Dabei lohnt sich auch oft ein Blick auf die früheren Geschwistererfahrungen. 

Haben Sie Geschwister? Und wissen Sie, was Sie in dieser Geschwisterbeziehung gelernt haben und wie sich das heute in Ihrem Leben bemerkbar macht? Nein? Vielleicht? Nur so ein bisschen? Dann befinden Sie sich in guter Gesellschaft. Denn so geht es vermutlichen den meisten von uns. Oft wissen wir zwar, dass unsere Brüder und Schwestern wichtige Menschen in unserem Leben sind. Aber wie genau unsere Geschwistererfahrungen unser „Mindset“ und unsere Verhaltensweisen geprägt haben, ist uns selten bewusst.

Brüder und Schwestern haben eine ganz besondere Bedeutung für uns. Wir können sie uns nicht aussuchen. Wir müssen mit ihnen auskommen und vieles sogar mit ihnen teilen – sogar Mama und Papa! Sie sind einfach da, ob wir das nun gut finden oder nicht. Sie können tolle Spielkamerad*innen sein und ohne Ende nerven. Zwischen zärtlicher Zuneigung und aggressiver Ablehnung ist hier alles möglich, oft genug wechseln diese Gefühle mehrfach täglich. Eltern mit mehreren Kindern können davon täglich ein Liedchen singen.

Streiten lernen mit Brüdern und Schwestern

Geschwister können das eigene Leben bereichern und uns als Ressource dienen: Eine fürsorgliche Schwester oder ein solidarischer Bruder können und stärken und froh machen. Mit Geschwistern können wir uns toll zoffen, ohne Verlustängste entwickeln zu müssen. Kinder lernen mit ihren Geschwistern, sich für ihre Interessen einzusetzen, mal nachzugeben, mal zu „siegen“ und auch mal Kompromisse einzugehen, kurzum: Konflikte miteinander zu lösen.

Wer sich hingegen mit Bruder und Schwester in der Kindheit niemals gestritten hat – etwa um die belasteten Eltern zu schonen – , dem wird es auch im späteren Leben möglicherweise schwer fallen, Konflikte anzusprechen und angemessen zu lösen. Einfach, weil dafür die Übung und Erfahrung fehlen. Sollten Sie also dazu neigen, Konflikte in einer aktuellen Beziehung nicht anzusprechen oder nicht klären zu können, könnte es möglicherweise sein, dass Sie als Kind nicht erfolgreich mit Ihren Geschwistern gestritten haben.

Geschwisterliebe: Umgang mit Rivalität und Konkurrenz

Besonders wichtig für Geschwisterbeziehungen ist das Thema Rivalität. Jedes Kind kämpft auf seine Weise um die Aufmerksamkeit und Anerkennung der Eltern, und manche sind damit erfolgreicher als andere. Verteilen die Eltern ihre Zuwendung und Aufmerksamkeit einigermaßen gleichmäßig, dann ist der Kampf der Geschwister untereinander vermutlich nicht so ausgeprägt, wie wenn sich ein Kind permanent übersehen oder vernachlässigt fühlt. Diese Geschwisterkonkurrenz ist eine normale Begleiterscheinung, durch die wir vieles lernen können. Sie wird erst problematisch, wenn ein Kind dauerhaft den Kürzeren zieht und einem anderen gegenüber in der Gunst der Eltern deutlich unterliegt. Dann leidet nicht nur das betroffene Kind darunter, sondern zwangsläufig auch die Geschwisterbeziehung (Zitat einer Klientin: „Ich habe meine Schwester gehasst. Sie war immer besser in der Schule, sah hübscher aus. Meine Eltern hatten sie immer lieber als mich und haben mich das auch deutlich spüren lassen!“).

Alte Gefühle und Übertragungen in Partnerschaften

Werden solche – oder ähnliche – alten Konflikte nicht verarbeitet, können sie unsere Verhaltensweisen in Beziehungen stark beeinflussen, ohne dass wir das merken, auch noch im Erwachsenenalter. So kann es zum Beispiel sein, dass ein dominant  wirkender Kollege einen total auf die Palme bringt, man aber keine Ahnung hat, warum eigentlich. Erst im Nachhinein fällt einem dann vielleicht auf, dass er in uns dieselben Gefühle hervorruft wie damals ein größerer Bruder, der sich oft rücksichtslos verhalten oder uns herumkommandiert hat.

Oder wir finden eine junge Frau „doof“, einfach so, aus einem diffusen „Bauchgefühl“ heraus. Und erst später fällt uns auf, dass sie ähnliche Eigenschaften hat wie die als zickige und verwöhnt erlebte kleine Schwester. Bei diesen beschriebenen psychischen Prozessen handelt es sich um Geschwisterübertragungen.

Übertragungen dieser Art kommen häufig in unserem Alltag vor, werden aber selten als solche erkannt. Das ist schade, denn sie verstellen uns den Blick auf den Menschen, der gerade zum „Opfer“ unserer Übertragung wird. Ist unser Partner derjenige, auf den wir unsere alten Erfahrungen und Gefühle übertragen, wird dieser sich nicht richtig gesehen fühlen – er spürt auf eine subtile Weise, dass es gar nicht um ihn geht, kann dies aber oft nicht genauer definieren. Er fühlt sich womöglich einfach missverstanden und auf diffuse Weise nicht gemeint. Findet ein solches Übertragungsgeschehen in der Partnerschaft wiederholt und dauerhaft unreflektiert statt, kann das eine unheilvolle Dynamik in Gang setzen. Daher gilt es auch immer zu prüfen, ob sich hinter einer Paarproblematik möglicherweise alte, unbearbeitete Geschwisterkonflikte verbergen.

Bedingt die Geschwisterposition unsere Partnerwahl? 

Allgemein bekannt ist immerhin die Tatsache, dass Geschwistererfahrungen auch die Partnerwahl mitbestimmen können. Einige Autor*Innen gehen davon aus, dass dabei die eigene Geschwisterposition besonders ausschlaggebend sei. Und sie wagen sogar Prognosen darüber, zu welchem Partner ein Erstgeborenes, ein Einzelkind, ein Sandwichkind oder ein Nesthäkchen am besten passt.

Ich halte solche Konzepte für zu kurz gegriffen, denn es gibt viele weitere und auch wichtigere Parameter als die Geschwisterposition, die für die Geschwisterbeziehung und die spätere Partnerwahl von Bedeutung sind. Ich will damit nicht behaupten, die Position in der Geschwisterfolge spiele keine Rolle für unsere Leben, denn das tut sie mit Sicherheit. Es kommt aber meiner Ansicht nach viel mehr darauf an, wie wir uns in unserer Geschwisterrolle und -position gefühlt und was wir hier gelernt haben.

Folgende Fragen könnten dafür hilfreich sein:

Was habe ich als Erstgeborene(r) gelernt? Hat es sich oft gut angefühlt, die/der Älteste zu sein? Welchen Status hatte ich? War es gut für mich, Verantwortung für meine kleineren Geschwister zu übernehmen oder hat mich das oft überfordert?

Wie war meine Beziehung zu den jüngeren Geschwistern, haben sie mich genervt? Oder waren sie eine Bereicherung? Oder beides? 

Wie war es für mich, die/der Zweitgeborene zu sein? Musste ich mich verrenken und vermitteln? Oder war es von Vorteil, sich mal nach „oben“ und mal nach „unten“ orientieren zu können? Oder alles gleichzeitig?

Und war ich als letztes Kind wirklich das Verwöhnteste? Hatte ich tatsächlich mehr Vorteile als meine Geschwister, wie diese oft behaupten? Oder hatten meine Eltern eigentlich keine Energie mehr für mich und haben mich einfach so laufen lassen, weil sie zu sehr mit sich selbst beschäftigt waren? Mochte ich meine älteren Geschwister oder eher nicht so?

Die eigenen Geschwistererfahrungen erforschen

Sie sehen schon: Geschwisterrollen und Geschwisterbeziehungen sind ein hochkomplexes und individuelles Thema. Wenn wir auf der Suche danach sind, was wir in unserer Kindheit mit unseren Geschwistern gelernt haben, hilft uns die klassische geschwistertypologische Einteilung nur wenig. Sinnvoller ist es, einen genaueren Blick auf das individuelle Erleben als Bruder als Schwester zu werfen, zum Beispiel mithilfe folgender Fragen:

Welche Rolle(n) habe ich in unserem Geschwistersystem oft und gerne übernommen (Beschützer/in, Vermittler/in, die/der Kleine etc.)? Was war das Gute daran? Was habe ich in dieser Rolle gelernt? Welche Fähigkeiten habe ich dadurch verfeinert? Wende ich einige von diesen Fähigkeiten jetzt in meinem Beruf und meinem Privatleben an?

Wie habe ich meine Geschwister erlebt? Was war schön, was war nervig? Was habe ich an meinen Geschwistern geliebt und was gehasst?

Was habe ich durch mein gegengeschlechtliches Geschwister gelernt („Jungen sind…“, „Mädchen sind….“)? Inwiefern hat das meinen Blick auf das andere Geschlecht geprägt? Und was könnte das mit meiner Partnerwahl zu tun haben?

Wie habe ich Streit mit meinen Geschwistern erlebt? Konnte ich mich auch mal durchsetzen? Wer war dominant, wer oft unterlegen? Ging es fair zu oder auch mal fies? Und wie ist mein Streit- und Konfliktverhalten heute?

Vielleicht finden Sie ja ein paar wichtige Hinweise, die mit Ihren aktuellen Paarproblemen zu tun haben könnten. Und wenn nicht, dann haben Sie sich immerhin ein bisschen mit Ihren Geschwistererfahrungen beschäftigt. Kann auch nicht schaden. 🙂

Text: Felicitas Römer (c) 2021

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Immer nur happy oder wie? https://felicitas-roemer.de/immer-nur-happy-oder-wie/ Wed, 17 Mar 2021 12:30:11 +0000 https://felicitas-roemer.de/?p=632 Was glückliche Paare richtig machen

Wie schaffen es Paare, eine gute, lebendige, liebevolle Beziehung zu führen? Das ist vermutlich die Frage der Fragen. Daher habe ich hier mal 21 Eigenschaften und Verhaltensweisen aufgelistet, die in stabilen und gut funktionierenden Partnerschaften häufig zu finden sind.

1. Menschen  in glücklichen Partnerschaften akzeptieren den Partner/die Partnerin als anders und erwarten nicht, dass er/sie sich den eigenen Vorstellungen angleicht. Unterschiede werden nicht nur zähneknirschend hingenommen, sondern als beziehungsbelebend erfahren.

2. Sie zeigen sich gegenseitig regelmäßig ihre Zuneigung und Liebe, etwa durch Kleinigkeiten im Alltag, zärtliche Berührungen und andere Aufmerksamkeiten.

3. Sie haben Spaß miteinander.

4. Sie wissen und akzeptieren, dass der/die andere nicht für das eigene Glück zuständig ist, und überfrachten ihn/sie nicht mit zu hohen Ansprüchen.  

5. Sie fühlen sich zwar nicht verantwortlich dafür, den Partner/die Partnerin glücklich zu machen, sind aber daran interessiert, dass es dem anderen gut geht..

6. Sie stehen dem Partner/der Partnerin mental und (im Rahmen der eigenen Befindlichkeit und Möglichkeiten!) tatkräftig zur Seite, wenn es ihm/ihr nicht gut geht, wenn er/sie in einer Krise steckt oder krank ist.

7. Sie stehen im offenen Kontakt und Austausch miteinander, teilen sich Wesentliches voneinander mit.

8. Sie nehmen Anteil am Leben und den Erfahrungen des/der anderen.

9. Sie entwickeln sich selbst weiter und unterstützen den Partner/die Partnerin auch in dessen/deren Entwicklungsprozess. Auch  wenn das mitunter zu Ängsten, Irritationen oder „Wachstumsschmerzen“ führen kann, die Veränderungen manchmal so mit sich bringen.

10. Sie erkennen es an, dass sie den Partner/die Partnerin manchmal kränken (wenn auch oft „aus Versehen“), bitten ggf. um Entschuldigung und bemühen sich um Wiedergutmachung.

11Sie verzeihen einander. Das gelingt vor allem deshalb, weil das emotionale Grundgerüst der Beziehung stimmt. 

12. Sie vertrauen einander. 

13. Es besteht ein grundsätzliches gegenseitiges Wohlwollen.

14. Sie bemühen sich um gegenseitiges Verständnis und akzeptieren unterschiedliche Wahrnehmungen und Ansichten.

15. Sie tun zwar etwas füreinander, aber nicht in manipulativer Absicht („Ich tue das nur für dich, damit du etwas anderes für mich tust“), sondern aus einem liebevollen Impuls heraus. 

16. Sie lassen sich gegenseitig auch oft genug in Ruhe, jede(r) darf ausreichend Zeit und Raum für sich selbst haben.

17. Sie lieben das „Gute aus dem Partner heraus“: Partner*innen sehen oft positive Eigenschaften in der geliebten Person, die diese selbst gar nicht so an sich wahrnimmt. Dadurch, dass der Partner/die Partnerin diese spiegelt, können diese Eigenschaften dann aber wachsen. (Beispiel: „Meine Eltern haben mir immer gesagt, ich sei komisch und albern. So begann ich, meine witzige Seite abzulehnen. Erst als mir meine Frau sagte, dass sie genau diese Seite an mir besonders liebte, konnte ich diese wieder als wichtigen Teil meines Selbst akzeptieren und wachsen lassen.“)

18. Probleme werden als gemeinsame Probleme verstanden und angegangen, ohne dass sich eine/r von beiden als Therapeut*in oder Retter*in aufspielt und so ein Machtgefälle herstellt.

19. Sie äußern ihre Gefühle und Bedürfnisse auf konstruktive Weise.

20. Sie weichen Konflikten nicht aus, sondern halten diese für wichtig und „normal“. 

21. Sie können Spannungen, Missstimmungen oder Langeweile in der Beziehung mal eine Weile lang aushalten und so beziehungstechnische Durststrecken überstehen, ohne die Partnerschaft oder die Liebe gleich in Frage zu stellen. 

Text: (c) Felicitas Römer 2021

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Und nun sind Sie dran 🙂

  • Wann fühlen Sie sich mit Ihrem Partner/Ihrer Partnerin glücklich verbunden?
  • Wann haben Sie sich zum letzten Mal so gefühlt?
  • Weiß er/sie das? 
  • Wann fühlt sich Ihr Partner/Ihre Partnerin mit Ihnen glücklich verbunden?
  • Und wann hat er/sie sich das zum letzten Mal so gefühlt?
  • Und was könnten Sie ggf. tun, um diesen Zustand wieder zu erreichen?

Mehr Infos und Impulse, wie Sie in Ihrer Beziehung zu mehr Verbundenheit und Lebendigkeit gelangen, finden Sie in meinem Buch „In Liebe wachsen und glücklich werden“.

Über das Buch:

Jedes Paar streitet. Und das ist auch gut so, denn in jedem Konflikt stecken Entwicklungsmöglichkeiten für die einzelnen Partner und für das Paar. Das gilt auch für Konflikte, die immer wiederkehren, manchmal eskalieren oder sinnlos zu sein scheinen. Dass selbst diffuse oder widersinnige Konfliktmuster einen tieferen Sinn haben, verdeutliche ich in diesem Buch.

Anschaulich erkläre die Zusammenhänge zwischen biografischen Erfahrungen – zum Beispiel schwierigen Erlebnissen in der Kindheit – und der aktuell schmerzhaften Paardynamik. Anhand vieler praktischer Beispiele aus ihrer therapeutischen Praxis zeigt sie auf, wie es Paaren gelingt, sich aus ihrer gegenseitigen Verstrickung zu lösen und gemeinsam zu einem neuen Verständnis für den anderen zu gelangen. 

Mit vielen kleinen Übungen und einem praktischen 7-Schritte-Programm für Paare.

Leser*innenstimmen: 

„Absolut hilfreich! Ein Buch, das auch in die Tiefe geht. Beim Lesen hatte ich so viele Aha-Momente wie lange nicht mehr. Weil ich durch die Praxisbeispiele im Buch die seelischen Hintergründe verstehe, behalte ich bei Stress mit meinem Partner viel leichter einen klaren Kopf. Ich kann nur sagen, uns hat es sehr geholfen. Gut angelegte 18 Euro!“ (Kundin bei Amazon)

„Das Buch eignet sich für Paare, die an sich arbeiten wollen, aber auch für Singles, die sich fragen, warum Beziehungen immer wieder scheitern oder für bereits getrennte Partner, die versuchen, ihr eigenes und das Verhalten ihres Ex-Partners besser zu verstehen…. Fazit: Sehr lesenswert und hilfreich für Paare, Singles und Getrennte. “ (Leserin bei Amazon)

„’In Liebe wachsen‘ ist ein liebevolles, ermutigendes Buch, das helfen kann, Konflikte zu entschärfen – ohne (vermeintliche) Patentrezepte und kein bisschen reißerisch. Ein sinnvoller Ratgeber für allgemeine wie ganz persönliche Krisenzeiten also. Und ein stärkendes Geschenk für Hochzeitspaare.“ (Leserin auf Amazon)

„Hilfreich für Paare wie für Therapeut*innen! Vielen Dank für dieses gut verständliche und sehr tief gehende Buch über Dynamiken zwischen Paaren und deren Hintergründe. Gelingt es dem Paar, … Verständnis für sich selbst und den anderen zu entwickeln, ist oft ein wichtiger Schritt getan. Dieses Buch kann dabei helfen. Ich werde es sehr gerne Paaren weiterempfehlen und ans Herz legen, die zu mir in die Beratung kommen!“ (Antje Ritter, Gestalttherapeutin und Paartherapeutin)

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Die Liebe, das Smartphone und wir https://felicitas-roemer.de/die-liebe-das-smartphone-und-wir/ Wed, 03 Mar 2021 15:28:41 +0000 https://felicitas-roemer.de/?p=651 Wie das Handy unsere Beziehungen verändert

Zerstört das Smartphone unsere Liebesbeziehungen? Immer mehr Menschen beklagen, dass der Partner mehr Zeit mir dem Handy verbringt als mit der Partnerschaft. Stimmt das? Und wenn ja, wie kann man das wieder verändern?

Um es gleich zu sagen: Ich finde diese Dinger toll. Mal schnell was googeln oder shoppen. E-Mails checken, mit Freundinnen WhatsApp- oder Signal-Messages schreiben. Den neuesten Threads der geschätzten Kolleginnen folgen. Was posten, liken, kommentieren. Fotos und Selfies machen, netflixen, Podcasts hören und E-Books lesen. Wow, und das alles mit nur einem kleinen Apparat! Das Smartphone ist ein handliches und hilfreiches Multitalent. Wie konnten wir es nur so lange ohne diese Wundermaschinen aushalten? Und welchen Einfluss hat es auf unser Leben, unsere Beziehungen?

Natürlich verändert die zunehmende Digitalisierung unseren Alltag. Und klar ist es unsere Aufgabe, mit diesen Veränderungen einen bewussten Umgang zu finden, der zu uns und unseren Beziehungen passt. Folgende Problemfelder tun sich meiner Beobachtung zufolge auf:

1. „Du glotzt ja nur noch auf dein Handy!“ – Das Smartphone als Konkurrenz

Sätze wie: „Meine Partnerin spielt lieber Candy Crush, als sich abends mit mir zu unterhalten“ oder „Er legt das Handy nie weg, und hört nur mit einem Ohr zu, wenn ich ihm was erzähle“, habe ich nun schon relativ häufig gehört. Wie einfach zu erkennen ist, geht es hier um die Themen „Aufmerksamkeit“ und „Interesse“. Hier wäre nun zu klären, was der Hintergrund dieser Problemlage ist:

  • Was ist möglicherweise schöner am Zocken als an einer Unterhaltung mit meinem Partner/meiner Partnerin?
  • Wie sind wir sonst in Kontakt miteinander?
  • Habe ich mein Bedürfnis nach ungeteilter Aufmerksamkeit freundlich und offen kommuniziert? etc.

Das Handy bietet so viele Ablenkungsmöglichkeiten, dass wir uns mit seiner Hilfe unangenehmen oder anstrengenden Situationen schnell entziehen können. Manchmal ist es Unachtsamkeit, die uns dazu verleitet, auf dem Smartphone herum zu daddeln und den Liebsten/die Liebste gar nicht richtig wahrzunehmen. Und genau diese Unachtsamkeit kann für den Anderen verletzend sein.

Helfen könnten möglicherweise klare Absprachen, wann Handys stumm geschaltet und weggelegt werden.

2. „Warum hast du nicht geantwortet?“ – Gestiegene Erwartungen

WhatsApp und Co erhöhen unser Tempo. Kaum was eingetippt, schon warten wir auf Antwort. Grübeln, wenn sie nicht kommt. Sind vielleicht verunsichert. Später kommen dann Vorwürfe: „Wieso meldest du dich nicht?“ Früher hatte man halt Pech, wenn man jemandem telefonisch nicht erreichen konnte, es gab noch nicht mal Anrufbeantworter! Ein Rückruf konnte also dauern, Geduld war gefragt.

Heute wird die ständige Erreichbarkeit nahezu vorausgesetzt. Das verändert unsere Erwartungshaltung. Und das setzt uns wahnsinnig unter Druck. „Ich muss noch schnell XY antworten, sie/er ist sonst beleidigt!“ – Puh, das kann stressig werden. Viele Berufstätige sind auch in den Ferien für ihren Chef oder die Kolleg*innen per Smartphone erreichbar. Eine erholsamer Urlaub ist so kaum möglich.

Wir sollten uns einen bewussten und achtsamen Umgang mit dem Handy antrainieren, um uns selbst und andere nicht permanent zu überfordern.

Die Frage „Warum meldest du dich nicht?“, könnte aber auch Unsicherheit und Sorge ausdrücken: Bin ich dir nicht wichtig? Wenn sich jemand aus irgendeinem Grund in einer Beziehung nicht sicher fühlt, kann jedes Zeichen, das irgendwie auf Desinteresse hinweisen könnte, zur gefühlten Bedrohung werden. Dann wäre die dahinterstehende Frage: Wie finde ich (in mir selbst und vielleicht auch in der Beziehung) zu mehr Sicherheit?

Auch hier ist das Handy mal wieder nur der Katalysator, der bestimmte (unbearbeitete) Beziehungsthemen zum Vorschein bringt. Also ran an die tatsächlichen Probleme, statt den kleinen Wunderkasten dafür verantwortlich zu machen!

3. „Chattest du heimlich?“ – Flirten und Daten über WhatsApp und Co.

Ein heikles Thema, das mir aber immer wieder begegnet. „Erst haben wir uns nur geschrieben“. Und dann wurde mehr daraus. „Seitensprünge“, „Liebesaffären“, „Nebenbeziehungen“ oder wie auch immer man es nennen will, wenn sich Menschen in festen Beziehungen auf jemand Drittes einlassen: Schon immer waren Menschen „untreu“. Das Smartphone erleichtert uns jedoch die Kontaktaufnahme und -pflege und ist damit einfach ein geeignetes Mittel zum Zweck.

Interessant wäre vielleicht, herauszufinden, was den Reiz einer aufkeimenden oder tatsächlichen „Affäre“ ausmacht, und ob das etwas mit der Situation der aktuellen Partnerschaft zu tun hat. Fühle ich mich nicht angemessen wahrgenommen, fehlt mir etwas? Oft merkt man den erlebten Mangel ja leider erst, wenn man in einer neuen Beziehung das gefunden hat, was man so lange (unbewusst oder bewusst) vermisst hat. Ein guter Grund, um immer wieder hinzuspüren, wie es mir aktuell in der Partnerschaft geht, und darüber mit meinem/meiner Partnerin offen zu sprechen.

4. „Ich hab ihn/sie erwischt!“ – Wenn Affären auffliegen

Noch heikler. Denn nun stellt der eine Partner mithilfe einer „moralisch verwerflichen Tat“ („Herumschnüffeln, Nachspionieren“) die „moralisch verwerfliche Tat“ des/der anderen („Untreue“) fest. Beide begeben sich auf schwieriges Terrain, beide fühlen sich schlecht, beide sind in ihrer Integrität beschädigt.

Nun geht es zunächst um Schadensbegrenzung, wenn die Partnerschaft Bestand haben soll. Das Vertrauen ist erschüttert. Und lässt sich so leicht nicht wieder herstellen. Paare, die sich jedoch auf einen gemeinsamen Weg machen, können viel lernen und an dieser Krise sogar wachsen.

5. „Ich will alles sehen, was du schreibst!“ – Kontrolle als Lösungsversuch

Selbst nach einer beendeten „Affäre“ stellt das Smartphone – symbolisch betrachtet – eine latente Bedrohung für den „betrogenen“ Partner dar. Wo Misstrauen ist, da herrscht die Angst.

Kann also die Offenlegung der Kommunikation desjenigen, der die Außenbeziehung hatte, das Vertrauen wieder herstellen? Wohl kaum. Es ist sicher ein Zeichen des guten Willens, aber mit Kontrolle lässt sich in Liebesbeziehungen kaum etwas erreichen. Es sind tiefere Prozesse, die gegenseitiges Vertrauen (wieder) ermöglichen. Dafür braucht das Paar Zeit, Raum, Geduld, aber auch gegenseitigen Respekt und Verständnis. Und manchmal auch eine Paartherapie.

Text: (c) Felicitas Römer 2021

Foto: iStock

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Das Innere Kind: ein Störenfried? https://felicitas-roemer.de/das-innere-kind-stoerenfried/ Mon, 11 Jan 2021 15:08:17 +0000 https://felicitas-roemer.de/?p=642 Wie das „Innere Kind“ Ihre Paarbeziehung beeinflusst

Streiten Sie oft über vermeintliche Kleinigkeiten im Alltag? Und wissen Sie irgendwann gar nicht mehr, worum es eigentlich geht? Dann spielen Ihre „Inneren Kinder“ bestimmt eine wichtige Rolle dabei. Wie Sie Ihrem Inneren Kind auf die Spur kommen und warum das bei Beziehungsproblemen helfen kann.

Drehen Sie und Ihr Partner sich in Ihren Diskussionen im Kreis und haben Sie keine Ahnung, warum das so ist und was sich dagegen tun lässt? Dann befinden Sie sich in guter Gesellschaft. Denn sehr viele Paare stecken in einer Dynamik fest, die sie weder verstehen noch verändern können. Klar, was sollen sie auch ändern, wenn sie nicht mal wissen, was eigentlich genau vor sich geht?

Dabei sind es gerade diese kleinen, immer wiederkehrenden Konflikte, die einem Paar dazu verhelfen könnten, an sich zu arbeiten und ihre Liebe zu vertiefen. Denn wenn die Partner*innen verstehen, wer wann warum wie reagiert, können sie – mit ein bisschen Übung und Geduld – diese belastende Dynamik auflösen.

Wichtige Voraussetzungen dafür sind:

• echtes Interesse an der Verbesserung/Vertiefung der Partnerschaft,

• eine gewisse Neugier darauf, was bei dem Partner/der Partnerin innerlich passiert,

• die Bereitschaft, bei sich selbst hinzuschauen, welche Muster ablaufen, und ein Gespür dazu entwickeln, warum das möglicherweise so ist,

• Lust darauf, das Erfahrene zu nutzen, um neue Verhaltensweisen auszuprobieren. 

Die Verhaltensweisen, die immer wieder zur Eskalation der Situation führen, sind letztlich nichts anderes als missglückte Problemlösungsversuche. Sie missglücken deshalb, weil sie der Situation nicht angemessen sind. Weil diese Strategien zwar vielleicht früher einmal hilfreich waren, es jetzt aber nicht mehr sind. Und vor allem, weil nicht die erwachsenen Ichs agieren, sondern verzweifelte, hilflose oder verängstigte Innere Kinder.

Ein Beispiel: 

Lina fühlt sich von ihrem Mann Hannes oft allein gelassen. Sie wuppt den Haushalt, meistert den größten Teil die Kindererziehung und arbeitet halbtags im Büro. Wenn sie erschöpft ist (was immer öfter der Fall ist), macht sie Hannes Vorwürfe, er kümmere sich um nichts, alles laste auf ihren Schultern, er sei zuhause faul. Er reagiert darauf gereizt und abwehrend, und verweist auf seine viele Arbeit und sein gutes Gehalt. An der Situation ändert sich jedoch nichts. Lina wird immer wütender und verzweifelter, Hannes zieht sich immer mehr zurück und arbeitet noch mehr. 

Bei genauerem Blick auf die Situation unsere beiden Protagonisten zeigt sich, dass Lina schon als Kind viel Verantwortung übernehmen musste, für ihre depressive Mutter und ihre kleinere Schwester. Sie galt schon mit 6 Jahren als besonders reif und klug und stark. So konnte ihre Herkunftsfamilie ihr problemlos alles Mögliche aufhalsen, ohne dass sie das jemals kritisiert oder in Frage gestellt hätte. Lina lernte so einerseits, dass sie viel schaffte, viel bewirken konnte. Sie hatte eine besondere Position in der Familie inne und war wichtig für das System. Das machte sie in gewisser Weise stolz, sie fühlte sich kompetent und autonom.

Andererseits lernte sie allerdings auch, dass sie sich „Schwäche“ nicht leisten konnte. Schließlich konnte sich keiner vorstellen, dass auch sie vielleicht mal überfordert sein könnte. Sie selbst auch nicht. Sie bat um nichts und forderte nie etwas ein. Keiner dachte: „Aber sie ist doch noch so jung/zart/bedürftig!“ Niemand machte sich  Sorgen um sie. So funktionierte sie lange vor sich hin, und wurde oft als „Powerfau“ bewundert und beneidet, die alles problemlos auf die Reihe bekommt. 

Nun drohte jedoch langsam das Burnout, und Lina hatte keine Idee, wie sie da heraus kommen könnte. Die Vorwürfe an ihren Mann Hannes (ein ungeschickter Hilferuf!) führten offensichtlich nicht zu dem gewünschten Ergebnis, dass ihre Überforderung endlich gesehen und berücksichtigt werden möge. 

Aber auch Hannes hatte einen verständlichen Grund, auf die Vorwürfe seiner Frau abwehrend zu reagieren. Seine Mutter hatte zwar nicht oft mit ihm geschimpft, ihm aber immer wieder auf subtile Weise zu verstehen gegeben, dass seine Leistungen minderwertig waren, dass er zu faul war, zu wenig hilfsbereit, zu lasch. Immer litt er unter dem Grundgefühl, nicht gut genug zu sein, nicht zu genügen. In seinem Job konnte er das mittlerweile erfolgreich kompensieren, er war sehr ehrgeizig und machte viele Überstunden. Mit den Vorwürfen seiner Frau konnte er jedoch nicht umgehen, er fühlte sich wie ein Vorschuljunge, wenn sie ihn als „faul“ bezeichnete, um 30 Jahre zurückkatapultiert in eine höchst unangenehme Situation mit seiner abwertenden Mutter. 

Wie an diesem Beispiel gut zu erkennen ist, spielen frühere Kindheitserfahrungen Beziehungskonflikten eine große Rolle. Es sind im Grunde genommen die Inneren Kinder, die miteinander streiten, die aber keine Lösung finden (können), weil sie eben überforderte oder verletzte kleine Kinder sind und für komplexe Probleme (noch) keine angemessenen Konfliktlösungsstrategien entwickelt haben

Die Aufgabe des Paares wäre es nun, sich über diese unterschiedlichen Ebenen klar zu werden, und diese anschließend auseinander zu dividieren. Beide Partner sollten beginnen, sich bewusst liebevoll mit ihren jeweiligen „Inneren Kindern“ zu beschäftigen. Oft ist das mit Trauerarbeit verbunden. Das wäre nicht nur für jede(n) von beiden heilsam, sondern eröffnete dem Paar auch ganz neue Möglichkeiten, sich besser zu verstehen und einander in der jeweiligen Entwicklung zu unterstützen.  

Ich selbst arbeite übrigens (noch) lieber mit Ego States als mit dem Inneren Kind, aber darüber schreibe ich ein anderes Mal. 🙂

So kommen Sie Ihrem „Inneren Kind“ auf die Spur

Wenn Sie sich auch oft in dieser Spirale wiederfinden und vermuten, dass hier ein „Inneres
Kind“ im Spiel sein könnte, können Sie die folgenden Fragen nutzen, um Ihrem „Kleinen
Störenfried“ auf die Spur kommen und ein tieferes Verständnis für sich selbst und Ihre Partnerschaft zu entwickeln.
Beschäftigen Sie sich dafür mit den folgenden Fragen:

Über welche Themen streiten wir regelmäßig, ohne dass es zu einer Konfliktlösung kommt?
Wie fühle ich mich in diesen Konflikten? Welche Gefühle kommen hoch? Kenne ich diese
Gefühle von früher? Wenn ja, woran erinnern sie mich? Wie alt war ich damals?
Beschreiben Sie möglichst genau das „Innere Kind“, das sich in den beschriebenen Konflikten zu Wort meldet. Wie sieht es aus, welchen Gesichtsausdruck hat es, welche Körperhaltung hat es eingenommen?
Welche (unerfüllten) Bedürfnisse hat dieses „Innere Kind“ (z. B. Bedürfnis, gesehen zu werden, gewürdigt zu werden et.)? Wofür kämpft es?
Was könnten Sie selbst tun, um die Bedürfnisse Ihres „Inneren Kindes“ zu befriedigen?
Wie könnte Sie ggf. Ihr Partner/Ihre Partnerin dabei unterstützen, damit Sie selbst einen
liebevollen und heilsamen Umgang mit diesem „Inneren Kind“ finden?

Text © Felicitas Römer 2021

Foto: Pixabay

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„Paartherapie? – Das bringt doch nix!“ https://felicitas-roemer.de/paartherapie-das-bringt-doch-nix/ Thu, 28 Nov 2019 15:38:58 +0000 https://felicitas-roemer.de/?p=655 Wenn der Partner eine Paartherapie ablehnt

Sie wollen eine Paarberatung in Anspruch nehmen, Ihr Partner/Ihre Partnerin aber nicht? Dann sind Sie in bester Gesellschaft. Das kommt nämlich relativ häufig vor. Dabei kann Therapie wirklich hilfreich sein. Vor allem, wenn das Paar rechtzeitig kommt, also wenn die Beziehung noch lebendig und tragfähig ist. Lesen Sie hier, warum viele Menschen Paartherapie scheuen. Und was Sie tun können, wenn Ihr Partner sich einer Paartherapie gegenüber verschließt.

Streit, Kummer, Tränen: Bis ein Paar bereit ist, Hilfe in Anspruch zu nehmen, hat es meistens schon einige heftige Krisen durchlitten und sich gegenseitig schwere psychische Verletzungen zugefügt. Oft sind sie kurz vor der Trennung oder schon mittendrin. Kurzum: Viele Paare kommen erst dann, wenn es schon (fast) zu spät ist, wenn einer bereits innerlich aus der Beziehung ausgestiegen ist und/oder den Anderen verlassen will und einfach gar nichts mehr geht.

Klar, dass diese Ausgangssituation für eine gemeinsame Arbeit schwierig ist. Dass man dann mehr Sitzungen braucht. Und dass manchmal nur noch eine Trennungsbegleitung möglich ist.

Das müsste nicht sein, wenn Paare sich frühzeitig ein oder zwei Sitzungen Paarberatung gönnen würden. Und zwar dann, wenn die Basis noch stimmt. Je umschriebener ein Problem ist, desto leichter lässt sich das lösen. Oft reicht sogar ein einziger gemeinsamer Termin. Oder ein paar vereinzelte Sitzungen quer über das ganze Jahr verteilt.  

Leider kommt es sehr oft vor, dass ein Partner Interesse an einer Paarberatung äußert, der andere aber nicht. „Das bringt doch eh nichts!“, „Ich will doch mit einer Fremden nicht über mein Sexualleben sprechen!“ oder „Das kriegen wir auch alleine hin!“ – so oder so ähnlich klingen dann die entsprechenden Erklärungen.

Es ist verständlich, dass für viele „Therapie“ erstmal abschreckend klingt. Denn natürlich möchten wir unsere Probleme selbstständig lösen. Wer gibt schon gerne zu, dass er gerade alleine nicht weiterkommt? Wir sind so erzogen worden, unsere Gesellschaft tickt so. Wer es nicht alleine auf die Reihe bekommt, hat es irgendwie nicht geschafft. Diese Haltung ist weit verbreitet. Aber leider nicht hilfreich. Jeder Mensch kommt im Verlauf seines Lebens an Grenzen. Jeder steht hin und wieder vor großen Herausforderungen und braucht die mentale und/oder praktische Hilfe anderer Menschen. Und manchmal stehen wir uns einfach mal wieder selbst im Weg oder stecken in tiefen Beziehungskrisen. Es ist also ganz normal, mal Hilfe zu benötigen.

Es gibt aber noch andere Gründe, aus denen ein Partner möglicherweise eine Paartherapie ablehnt, zum Beispiel:

Scham und die Angst davor

Er/sie hat Sorge, dass unangenehme Fakten ans Licht kommen könnten, dass er/sie in der Therapie beschämt werden könnte. Sich zu öffnen und mit seinen Gefühlen zu zeigen, ist bei vielen Menschen mit Scham behaftet. Die Aufgabe eines Therapeuten ist es aber, dem Klienten eine schamfreie Zone zu bieten, Beschämungen zu vermeiden und ihm diesbezüglich Sicherheit zu vermitteln! Gibt es Beschämungen innerhalb der Beziehung muss der Therapeut diese erkennen, benennen und zum Thema machen. Denn sie sind extrem schädlich!

Angst vor Beschuldigung und Anklagen

Häufig fürchten Menschen, in einer Paartherapie die Schuld für etwas zu bekommen, als „Loser“ dazustehen oder bewertet bzw. abgewertet zu werden. Das Gebot der Allparteilichkeit lässt eine einseitige Schuldzuweisung durch den Therapeuten jedoch nicht zu. Und überhaupt: Es geht niemals darum, einen Schuldigen zu finden. Sondern vielmehr darum, die Beziehungsdynamik zu verstehen und positiv zu verändern.

Die Sorge, vom Therapeuten nicht gesehen zu werden

Manche Menschen fürchten, dass der Partner/die Partnerin sich in der Therapie besser „verkaufen“ kann als er/sie, und dass der Therapeut sich mit dem anderen gegen ihn verbündet. Oft beruhen solche Befürchtungen auf Erlebnissen aus der Kindheit.

Verweigerung als Schutzmechanismus

Wenn jemand ausdrücklich nicht mit zu einer Paartherapie kommen möchte, obwohl der andere Partner sich das wünscht, kann das auch Teil der Beziehungsdynamik sein: Einer will mehr, drängt womöglich, ist wütend, und der andere zieht sich zurück und verweigert sich: „Ich mache nicht das, was du von mir erwartest.“ Beide Verhaltensweisen – forderndes, aggressives sowie passiv-aggressive Verhalten – haben ihre Ursachen und können in der Therapie bearbeitet werden.

Abwehr als Ausdruck der Beziehungsdynamik

Der Partner identifiziert sich nicht mit dem gemeinsamen Problem: „Dir geht es doch schlecht! Ich komme ja klar.“ Er erkennt dann nicht an, dass es ein Beziehungsthema gibt, und schiebt die Verantwortung von sich weg. Dieses Verhalten ist Teil der Beziehungsproblematik!

Furcht, sich mit sich selbst auseinandersetzen zu müssen

Zu einer Therapie gehört es zwangsläufig dazu, sich mit seinen Gefühlen, Ängsten, Nöten und seinen “Schattenseiten“ auseinanderzusetzen. Das ist nicht immer spaßig. Kein Wunder, dass man davor zunächst einmal zurückschreckt. Viele Klienten merken aber, dass es erleichternd und bereichernd sein kann, mal einen genaueren Blick auf die eigenen Emotionen und Verhaltensweisen zu werfen. Dieser Prozess muss natürlich wertschätzend und in gewisser Weise auch „liebevoll“ therapeutisch begleitet werden.

Oft verstecken sich diese tieferen Sorgen und Ängste hinter den vorgegebenen Argumenten „Das bringt doch eh‘ nix!“ etc. Wenn Ihr Partner eine Paartherapie für ein „No Go“ hält, dann sprechen Sie ihn auf seine Sorgen an. „Was befürchtest du denn, was schlimmstenfalls passieren könnte?“ Hilfreich wäre es auch, diese Bedenken gleich in der Therapie anzusprechen. Oder schon vorher per Mail oder in einem telefonischen Vorgespräch.

Nutzt das alles nichts, dann kommen Sie alleine in Beratung. Auch mit Einzelklienten kann ich beziehungsorientiert arbeiten. Im System „Paar“ verändert sich meistens auch dann etwas, wenn sich nur einer bewegt.

Text (c): Felicitas Römer

Foto: istock

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Was der Liebe gut tut https://felicitas-roemer.de/was-der-liebe-gut-tut/ Sat, 05 Jan 2019 08:51:50 +0000 https://felicitas-roemer.de/?p=945 3 Tipps, wie Sie Ihre Partnerschaft stärken können

In unserem hektischen Alltag vergessen wir manchmal, unserer Partnerschaft die nötige Aufmerksamkeit zu schenken. Eine stabile Beziehung kann diese Entbehrungen eine Weile lang tragen, auf die Dauer wird sie jedoch zur Belastung. Lesen Sie hier, mithilfe welcher  Verhaltensweisen Sie Ihre Beziehung intensivieren und Konflikten vorbeugen können.

Tipp 1: Gefühle benennen

Gefühle auszudrücken ist doch einfach – das kann doch jeder! Oder?

Nun ja, geht so. Ich habe in meiner Praxis und im Privatleben schon viele Menschen getroffen, die zwar meinen, Gefühle auszudrücken, dies allerdings gar nicht tun. Und die dann enttäuscht sind, dass sie und ihre Gefühle von anderen gar nicht gesehen werden.

Sie sagen z.B. Sätze wie: „Ich habe das Gefühl, dass du mich ignorierst“ oder „Ich fühle mich von dir nicht unterstützt“ und sind felsenfest davon überzeugt, dadurch ihren emotionalen Zustand zum Ausdruck zu bringen.

Das tun sie jedoch leider nicht. Denn in beiden Beispielsätzen wird kein echtes Gefühl benannt; stattdessen wird dem Gegenüber ein bestimmtes „negatives“ Verhalten unterstellt – in diesem Fall ignorantes oder zu wenig unterstützendes Verhalten. Es handelt sich also weder um eine klare Ich-Aussage noch um einen echten Gefühlsausdruck, sondern eher um eine Art Mogelpackung.

Die eigentlichen Kernbotschaften der Sätze lauten nämlich „Du ignorierst mich“ oder „Du unterstützt mich nicht“. Beides sind Vorwürfe und können vom Gegenüber nur schwer als Ausdruck eines Gefühls entschlüsselt werden. Sie werden eher als Angriff erlebt und in der Regel abgewehrt; leider auch dann, wenn die Vorwürfe inhaltlich berechtigt sein mögen.

In Konflikten mit unseren Liebsten kommen wir aber schneller weiter, wenn wir unsere wirklichen Gefühle benennen und (Achtung, wichtig!) auch die Verantwortung für sie übernehmen: So könnte aus „Ich habe das Gefühl, dass du mich ignorierst“  vielleicht „Ich bin traurig, weil ich mich so alleine gefühlt habe“ werden. Und statt „Ich fühle mich von dir nicht unterstützt“ könnte man „Ich fühle mich ohnmächtig/einsam, wenn ich glaube, alles allein machen zu müssen“ sagen.

Solche Selbstoffenbarungen kommen erfahrungsgemäß beim Partner direkt an, sie ermöglichen ihm einen Zugang zum eigentlichen Thema (nämlich unserer Befindlichkeit und unserer inneren Not!). Wer also möchte, dass seine Gefühle vom Gegenüber auch wirklich wahrgenommen werden, tut gut daran, sie entsprechend selbstverantwortlich zum Ausdruck zu bringen.

Tipp 2: Wünsche formulieren

Bei vielen Paaren schleicht sich mit der Zeit die Angewohnheit ein, sich gegenseitig Vorwürfe zu machen. „Du hast schon wieder vergessen, den Mülleimer rauszubringen!“ oder „Du hättest ja auch mal den Einkauf erledigen können!“ sind da noch harmlose Varianten. Aber auch sie können auf Dauer nerven und zu lästigen Reibereien führen. Besonders belastend sind Vorwürfe, die sich auf die Partnerschaft selbst beziehen: „Du hast mich heute total ignoriert“ oder „Nie zeigst du mir, dass du mich liebst“, schneiden da schon tiefer ins Herz. 

Vorwürfe werden in der Regel als Angriff erlebt. Typische Reaktionen auf Vorwürfe sind daher:

– Gegenvorwürfe („Ach, und was hast du für mich getan?“),

– Herunterspielen („Naja, so schlimm war das jetzt auch nicht.“),

– Hilflosigkeit, Scham, Rückzug (betretenes Schweigen, Selbstvorwürfe),

– Empörung und Wut („Was fällt dir ein, mir so etwas vorzuwerfen?“).

Die eigentliche Botschaft versandet also meistens. Denn in jedem Vorwurf versteckt sich ein unbefriedigtes Bedürfnis oder ein unerfüllter Wunsch. Zum Beispiel der Wunsch, entlastet zu werden, oder das Bedürfnis, Aufmerksamkeit zu bekommen. Warum also nicht einfach sagen: „Ich fände es gut, wenn du morgen mal die Windeln besorgst.“, „Ich wünsche mir, dass du heute Abend mit mir essen gehst und wir dabei über unsere Rollenverteilung sprechen!“ oder „Ich würde mich sehr freuen, wenn du mir mal Blumen mitbringst.“? Das macht das Ganze weitaus unkomplizierter, der/die Andere weiß Bescheid und kann direkt darauf reagieren.

Die Idee, der Partner/die Partnerin könne uns die „Wünsche von den Augen ablesen“, ist Ausdruck einer verklärten Vorstellung von Liebe oder eines kindlichen Wunsches, emotional versorgt zu werden. Die Praxis hat gezeigt, dass die meisten Menschen mit offen ausgesprochenen Wünschen weit besser umgehen können als mit indirekten oder direkten Vorwürfen. Ob der Partner einen zum Ausdruck gebrachten Wunsch erfüllt oder nicht, ist allerdings ganz allein seine Entscheidung. 

Tipp 3: Genauer hinhören

Oft hören wir nur das, was wir zu hören glauben. Oder noch schlimmer: was wir zu hören befürchten. Aber sagt der Partner auch wirklich das, was wir zu hören glauben? Oder meint er nicht vielleicht etwas ganz anderes? 

Besonders wenn es um Liebesangelegenheiten geht, ist es wichtig, genau hinzuhören: Was will mir mein Mann/meine Frau sagen? Was ist die Botschaft? Worum geht es genau? Was ist ihr/ihm wichtig? Vorsichtiges Nachfragen kann dabei helfen, das Anliegen des Anderen besser nachzuvollziehen. 

Sagen Sie nicht einfach „Ich habe dich verstanden“. Sondern stellen Sie sicher, dass sich Ihr Partner/Ihre Partnerin auch verstanden fühlt. Erst dann ist die Botschaft angekommen, die Kommunikation wirklich gelungen. 

Text (c) Felicitas Römer

Foto: Pixabay

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Fünf Beziehungskiller erkennen https://felicitas-roemer.de/fuenf-beziehungskiller-erkennen/ Wed, 28 Nov 2018 09:02:36 +0000 https://felicitas-roemer.de/?p=948 So retten Sie Ihre Partnerschaft

Es gibt ein paar todsichere Methoden, mit denen Sie Ihre Partnerschaft über kurz oder lang in die ewigen Jagdgründe schicken können. Natürlich wendet niemand diese vorsätzlich an, sondern eher aus Fahrlässigkeit oder weil er/sie es nicht besser kann. Die gute Nachricht: Es ist möglich, aus der unheilvollen Dynamik aussteigen. Je früher, desto besser. Lesen Sie hier, welches die fünf beziehungsschädlichsten Verhaltensweisen sind und wie Sie diese verändern können. 

Beziehungskiller Nr. 1: Ständig am Partner herummeckern

Wer permanent lautstark etwas an seinem Partner auszusetzen hat, muss sich nicht wundern, wenn dieser sich nach und nach zurückzieht, sich passiv-aggressiv verhält oder cholerische Anfälle bekommt. Meistens landen solche Paare in einer destruktiven Vorwurf-Verweigerungs-Spirale.

In diesem Fall wäre es wichtig, gemeinsam einen konstruktiven Umgang mit Kritik zu erlernen: Wie kann ich meine Wünsche anbringen, ohne den anderen anzugreifen? Und auf der anderen Seite: Wie gehe ich damit um, dass mein Partner unzufrieden ist?

Beziehungskiller Nr. 2: Den Anderen abwerten

Wer dazu neigt, seinen Partner nicht ernst zu nehmen, ihn abzuwerten oder und ihn zum „Kind“ zu degradieren, bringt die Beziehung in eine gefährliche Schieflage. Lässt der Andere das zu oder fordert er das durch sein Verhalten noch zusätzlich heraus, ist das Ende nicht mehr sehr weit.

In diesem Fall wäre es wichtig zu klären, welche Motivationen sich hinter dieser Beziehungsdynamik verbergen und wie man diese auflösen kann.

Beziehungskiller Nr. 3: Sich nicht für den Partner interessieren

Viele Paare gehen davon aus, dass eine Partnerschaft einfach so läuft, ohne dass man viel dafür tun muss. Das ist ein fataler Fehler. Wer sich nicht wenigstens hin und wieder ernsthaft um den anderen bemüht und etwas über dessen emotionale Befindlichkeit erfahren möchte, ist aus der intimen Beziehung schon fast ausgestiegen.

Hier gilt es zu prüfen, ob überhaupt echtes Interesse besteht und wenn ja, wie man dieses Interesse zum Ausdruck bringen kann. Viele Menschen, denen in ihrer Kindheit nicht mit Interesse begegnet wurde, wissen tatsächlich oft nicht, wie das funktioniert. Lässt sich aber lernen!

Beziehungskiller Nr. 4: Sich einander nicht anvertrauen

Wenn sich die Partner einander nicht mehr öffnen, wenn sie sich gegenseitig nichts mehr von den eigenen inneren Prozessen, Nöten, Ängsten, Sehnsüchten oder Freuden mitteilen, schwindet die emotionale Verbundenheit. Und damit die Substanz einer jeden Liebesbeziehung.

Auch das „Sich-Mitteilen“ ist lernbar. Für Menschen mit schlechten Erfahrungen in der Kindheit oder Ängsten kann es hilfreich sein, dies in einem geschützten Rahmen einer Paarberatung zu üben.

Beziehungskiller Nr. 5: Unrealistische Erwartungen an den Partner haben

Wer sich vom Partner wünscht, er/sie möge ihm die Wünsche von den Augen ablesen oder er/sie möge stets sexuell verfügbar sein, überstrapaziert die Beziehung. Überzogene und unrealistische Erwartungen führen zwangsläufig zu Enttäuschungen; der überforderte Partner fühlt sich gleichzeitig unzulänglich und minderwertig. Dadurch wird die Partnerschaft geschwächt, sie gerät aus der Balance.

Hier müsste analysiert werden, an wen sich diese überzogenen Erwartungen eigentlich richten. Oft handelt es sich um unerfüllte Bedürfnisse aus der Kindheit. Sich diese anzuschauen und zu bearbeiten, kann sehr hilfreich und entlastend für eine Liebesbeziehung sein. 

Text: ©Felicitas Römer

Foto: istock

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